Kopfstreifen schmal
Meine Reiseberichte
Zwischenbericht - Meine 7 Leben -    - mit Fotos -

"kleine ungewollte Zwangspause - vom Lader überrollt"

Weil der Boden hinter dem Stettner See am 2. März 2011 noch schönen Morgenfrost hatte und dadurch eine feste Oberfläche, schob ich mit unserem zum ca. 6 to schweren zum Lader umgebauten Teleskopstapler die Äste und Gipfel von der winterlichen Holzfällung zusammen und mein Sohn schaffte mit dem Rückewagen das Material weg. Plötzlich fiel der Antrieb des Laders aus und weder Wandler, noch Schaltung reagierten.
 
Ich dachte, dass durch einen hoch stehenden Ast das Schaltgestänge aussprang und kroch zwischen den Rädern unter die Kabine um nachzuschauen. Dabei entdeckte ich einen kleinen Elektrostecker der auseinander gegangen war. Ich weis, dass ich leichtsinnig war, aber ich war so auf dieses ausgefallene Gestänge fixiert, dass ich die Gefahr nicht bedachte. Kaum eingesteckt, fing die Maschine sofort an, nach rückwärts zu fahren. Da ich unmittelbar neben dem Vorderrad lag, hatte ich keine Chance mehr zu reagieren und die Maschine rollte gnadenlos über meinen Kopf und Schulterbereich. Ich hörte noch das knacken, ähnlich dem eines brechenden Astes, meines Schädelknochens, dache noch, “das war es jetzt wohl“, war aber noch bei vollem Bewusstsein als die Maschine alleine weiterfuhr. Leider konnte ich nicht sehen wohin, denn ich war vollkommen blind. Ich konnte nicht sehen, ob sie in Richtung Wald, steilen Hang, Sumpf, oder gleich in den nahe liegenden See fährt. Ich bediente blind mein Handy, aber mein Sohn war noch auf der anderen Wiese und hatte keinen Empfang. Während ich überlegte, wie ich blind die Festnetznummer am Hof wählen könnte, kam plötzlich mein Augenlicht - und mit ihm auch der Stapler wieder, dessen Lenkung Gott sei Dank so eingeschlagen war, dass er auf der Wiese einen Kreis von ca. 60 m Radius unbehelligt zurücklegte. Ich erkannte die Chance, sprang auf den Stapler und fuhr den ca. 1,5 km langen Weg zurück zum Hof. Trotz meines Schädeltrümmerbruchs, dem abgeschertem Ohr und der gebrochenen Rippe, war ich immer bei vollstem Bewusstsein, inklusiv dem Transport mit dem Rettungshubschrauber, bis hin zur Narkose.“
 
Eine Stunde nach dem Unfall lag ich, obwohl 80 km Luftlinie von München entfernt, auf dem Operationstisch im Schwabinger Krankenhaus. Laut Auskunft der Ärzte hatte ich unglaubliches Glück, dass der in das Gehirn stehende Schädelknochen kein Blutgefäß verletzte, denn eine Gehirnblutung wäre wahrscheinlich tödlich gewesen. Schon eine Bewusstlosigkeit oder der längere Ausfall des Augenlichts, hätte vermutlich gereicht und der Lader hätte mich eventuell ein zweites Mal überrollt.
 
Über die Unvorsichtigkeit kann man lange diskutieren, aber das sind nur Sekunden, in denen nicht genügend aufgepasst wurde. Die Frage nach der Unvorsichtigkeit muss sich aber die  Herstellerfirma des Laders bezüglich eines offensichtlichen Konstruktionsmangel fragen lassen. Etwa, warum sie einen Stecker an einer für Beschädigungen gefährdeten  Unterseite des Kabinenbodens offen anbringt. Wäre das Kabel nur um 60 cm länger, wäre der Stecker aus dem Gefahrenbereich. Ebenso warum eine Maschine überhaupt los fährt, wenn man einen Stecker wieder einsteckt. Jede Baumarktkreissäge muss neu gestartet werden, wenn der Stecker mal gezogen und wieder eingesteckt wird! Die Berufsgenossenschaft hat bereits angekündigt, die Konstruktion noch genauer unter die Lupe zu nehmen.
 
Am 21. 3. wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Ich freue mich jeden Tag über mein geschenktes Leben und vor allem, dass ich keine bleibenden Schäden habe.

Ganz liebe Grüße
Hans


...

......

zum Seitenanfang