Kopfstreifen schmal
Meine Reiseberichte
Chilereise von November 2007 bis Februar 2008 - Bericht 5
Frohe Weihnachten und
neuer Erlebnisbericht aus Chile
Hallo, wuensche Euch nochmal FELIZ NAVIDAD
Hab schon wieder eine Menge erlebt, obwohl ich aus Villarrica wenig rauskomm. Ich habe schon oefters die Erfahrung machen duerfen, dass mann mehr erlebt, wenn mann an einem Platz lebt und nicht immer rumm rennt. Wenig stimmt natuerlich auch nicht ganz, war z.B. am Wochenende fuer eine Nacht am Meer.
Wenn wir von Deutschland aus an Suedamerika denken, faellt einem meist nicht mehr als Amazonasurwald und Indios im Hochland ein. Dabei sind in Suedamerika, wie in keinem anderen Erdteil der Welt, alle Klimazonen die es auf der Erde gibt, zu finden. Hier ist es sehr aehnlich wie bei uns, nur die Niederschlaege sind nicht so schoen verteilt. Hatten seit 29. November erst 4 Regentage. Die Sommer sind meist trockener, obwohl die gesamten Jahresniederschlaege hoeher als bei uns sind. Die Gegend ist sehr landwirtschaftlich gepraegt.

Die Kleinbauern sind fast alle Maputcheindianer, die ihre Erzeugnissen oft in die Stadt anbieten (z.Z. unter anderem Kirschen und Erdbeeren) und die Grossen, oft deutscher Abstammung, bewirtschaften die grossen Flaechen. Neuerdings, seit weltweit die Agrarpreise stiegen, steigt auch der landwirtschaftliche Nutzgrund stark an. Die Milchspezialisten aus Neuseeland kaufen sich momentan stark ein. Milch und Fleisch sind die Haupterzeugnisse, aber auch Blaubeeren und neuerdings sogar Haselnuesse fuer Hanuta.

Arbeitsaufwendige Sonderkulturen sind hier sehr wirtschaftlich, da die billigen Loehne den weiten Transportweg mehr als wett machen. Kuerzlich nahm ich zwei Anhalterinnen mit, die 50 km zum Blaubehrpfluecken fahren. Pro Stunde verdienen sie knapp einen Euro. - Na ja, ist fuer Dich vieleicht nicht so interessannt, aber ich bin hald doch noch ein bisschen Bauer.

Die Wild-Tierwelt hier ist nicht so aufregend. Ausser Pumas, Hasen, Kanienchen und eine kleine Rehart, gibt es nicht viel. Giftige Schlangen findet man ebenfalls keine. Die Europaeer haben die Natur aber ganz schoen durcheineander gebracht. Nicht nur den Rothirsch, auch die ueberall wuchernden Brombeeren, die Apfel-, Birnen-, Kirschen- und Zwetschgenbaeume, sondern auch den Ginster haben wir gebracht, der zwar wunderschoen gelb blueht, aber viele heimische Pflanzen verdraengt. Die Voegel sind viel zahmer als bei uns. Sehr auffallend ist eine Brachvogel- und eine Falkenart. Am Meer natuerlich viele Moeven, Geier und Pelekane. Condore sieht man hier eher selten. Spatzen gibt es wie ueberall auf der Welt.

Wie schon erwaehnt sind die Loehne sehr nieder. Der gesetzliche Mindestlohn 200.- Euro, abzueglich Sozialleistungen, die allerdings nicht sehr hoch sind. Krankenversicherung ist nicht Pflicht. Viele haben keine, was die Familien oft an den Rand dess Ruins bringt. Marias Kopfoperation hat ueber 20000.- Euro gekostet und waere ohne Hilfe aus Europa nicht moeglich gewesen. "Wenn kein Geld da ist, wird eben gestorben", lautet die Devise. Was allerdings interessannt ist, dass das im September geborene Enkelkind von Maria bereits in den Babykindergarten geht. Eine staatliche Einrichtung, um den vielen ledigen und meist von den Maennern sitzengelassenen Frauen den Arbeitsprozess zu erhalten.

Samstag,Sonntag war ich mit Jorge, der hier mit einer Serrasaege arbeitet, in seinem Haus am Meer beim fischen. Die Straende, ca. 7000 km in Chile, sind wunderschoen, aber das Wasser, hier unten nur ca.10 bis 12 Grad warm. Sein Haus steht als eines von nur ca. 10 auf einer hoch aufragenden felsigen etwa 500 m langen Halbinsel mit wunderschoenen Sandbuchten mitten im Maputschgebiet. Die Indianer duerfen kein Land mehr verkaufen. Seit ca. 30 Jahren ist das verboten, da viele sonst alles versoffen haetten. Viele von ihnen empfinden es aber als Diskiminierung.

Die Halbinsel hat vor vielen Jahren ein heute 75 jaehriger Deutscher gekauft. Kurt ist im Sudetenland geboren, war dann als Kind in Meklenburg und als Jugendlicher lernte er Postbeamter im Rheinland, ehe im alles zu eng wurde und er nach Chile auswanderte. Er hat hier in vielen Berufen gearbeitet, ist nicht reich, besitzt aber ein Keinod. Er lebt dort ganz allein mit 10 Schafen, ein paar Huenern und einem schoenen Gemuesegarten. Von seinen 350.- Euro Rente und den Einnahmen von den Grundstuecken, auf denen reiche Leute Haeser bauten, kann er leben, sagt er. Leider hat er sich vom vielen Rauchen seine Lunge kaputtgemacht. "Anfangs war ich ein grosser Indianerfreund, schliesslich habe ich ja auch Karl May gelesen, aber jetzt mag ich sie nicht mehr, weil sie nicht die edlen Wilden sind, sondern falsch und wortbruechig", sagte er mir. Die Indianer wissen aber ganz genau, dass sie vor allem die deutschen Touristen lieben und nutzen das teilweise auch sehr geschickt - Dank Karl May!

Gefischt wird an den Sandstraenden mit Blinkern vom Ufer aus. Bis zu 5 kg schwere Fische kommen ans seichte Wasser um die von der Brandung hochgespuelten Krabben und Krebse zu fressen. Ich konnte nicht so lange fischen, da ich es ohne Gummihose in dem kalten Wasser nicht lange aushielt. Da hab ich dann eben mit Kurt philosophiert.

Heilig Abend hatten wir moerderische 33 Grad. Der Boltsche, ein Foehn aus der Halbwueste Argentinens bringt die heisse Luft. Nachmittag waren wir dann bei jetzt 19 Grad Wassertemperatur schwimmen. Nachmittags war Weihnachtsfeier mit den Mietern von unserem Markt und am Abend dann Privat bei uns im Lokal. Marcell uns ich sangen Stille Nacht in deutsch und die anderen in spanisch. Hoerte sich ein wenig durcheinander an. Dabei waren auch, wie alle Jahre, ein 14 und 15 Jahre altes Maedchen bei uns, fuer die Maria so eine Art Patenschaft uebernommen hat. Sie wurden als Kleinkinder vom Vater missbraucht und sind seitdem im Weisenhaus. Weihnachten werden wie bei uns zu Ostern die Laemmer geschlachtet und ueberall gegrillt.

Zuhause wuerde ich sicher nicht so viel schreiben, es ist aber eben schoen, mal Musse dazu zu haben und meinen Freunden das Leben hier mitzuteilen.

Am 3. Jan. fahre ich mit dem Nachtbuss 700 km nach Santiago. Kostet 50.- Euro und ist wie First-Class im Flugzeug. Mit Klimaanlage, Essen, Trinken und Bett zum Schlafen und am 4. fliege ich weiter nach Peru. Dort treffe ich erst den Bruder von Lucia aus Prien (ihr Schwiegervater baute mal Die Thyssenklinik in Prien, das heutige Kreiskrankenhaus) und reise dann weiter nach Lima, wo ich noch ein paar Tage mit unserem neuen Vertreter fuer Peru verbringen werde, ehe es dann in's Amazonastiefland zu einem dreiwoechigen Seminar mit einem Schamanen geht. Wenn's passt, moechte ich auch noch Cusco, Matschopitscho, und den Titicacasee besuchen und dann wieder fuer ca. 10 Tage in Villarrica sein, ehe ich voraussichtlich am 22. Februar heimkomme.

Beneide Euch wegen dem schoenen Eis am Langbuergner See.

Ganz Liebe Gruesse
Hans

26. Dezember 2007

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